Freitag, 21. Dezember 2012

Statt Weltuntergang: Merry Christmas for every Body.



Puh, da bin ich aber ganz schön erleichtert, als ich heute morgen die Augen aufschlug und die Welt noch da war. Habe das gestern hastig zusammengestellte Für-alle-Fälle-Fresspaket wieder ausgepackt und statt dessen Geschenke verpackt, für die die Große gestern eifrig Geschenkanhänger produziert hat. In Demut vor dem prognostizierten Weltuntergang haben wir uns dieses jahr für die unspektakuläre, karge Variante entschieden. Morgen geht's dann 600 km nach Norden zur Familie.
Ich möchte an dieser Stelle allen, die das lesen, schöne, beschauliche, gemütliche und freudige Weihnachten wünschen und alles Beste für das neue Jahr. Bis denne.

Feliz navidad.

Montag, 17. Dezember 2012

Das Fest kann kommen.

Erstmalig in meiner xy-jährigen Biographie habe ich eine Woche vor Weihnachten alle Geschenke!!!
Online-Bestellungen sind termingerecht eingetroffen und liegen hier. Geschenke für Kinder (eigene und Verwandte) dito. Laut Liste habe ich an alle gedacht, alles besorgt oder hergestellt. Es muss nur noch verpackt werden.
Das fühlt sich unglaublich gut an, ernsthaft.
Okay, mit ein paar Geschenken habe ich es mir leichtgemacht. Einfach nicht Verkauftes vom letzten Weihnachtsmarkt-Wochenende kommt zum Einsatz. Wie beispielsweise das Geschenk für meine Schwägerin:

Gibt's bald auch als Schürze ;-))

Montag, 10. Dezember 2012

Hüttengaudi.

Boah, war das kalt! Das Wochenende durfte ich in dieser Hütte verbringen:

Vorher.

Nachher.
Natürlich war ich zu geizig, mir für 3 Tage einen Heizlüfter zu kaufen. Also durfte ich insgesamt 15 Stunden in der Kälte stehen. Dabei habe ich folgendes gelernt: 1. Selbst die Zwiebeltechnik hält nicht zuverlässig und auf Dauer warm. 2. Bei Schneesturm laufen die Geschäfte schlechter. 3. Bei unbegrenztem Gratis-Glühwein am Eröffnungsabend auch. 4. Manchmal muss man Leuten ihr Glück aufschwatzen. 5. Gegessen wird immer => nächtes Jahr mache ich in "food".
Insgesamt aber eine positive Bilanz.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Didaktischer Adventskalender mit Eigentordynamik

Adventstütchen am Geduldsfaden.

Der Adventskalender von letztem Jahr ist zum Glück noch vollständig erhalten. Daher musste ich die Tütchen (aus Packpapier genäht und mit Zahlen bestempelt) einfach nur neu befüllen, aufhängen und fertig. Die roten Zahlen sind für die Große, die blauen für den Kleinen, immer abwechselnd. Daher steckt in den Tütchen nicht nur ein kleines "Give-away" sondern auch jede Menge Potential, wie ich nun jeden zweiten Morgen feststellen muss. So ist die Enttäuschung, Wut, Frustration an den roten Tagen von Seiten des kleinen Herren immens. Ab 6 Uhr morgens, wenn Vorfreude Kinderaugen öffnet, beginnt der immer gleiche Rote-Tage Dialog: "Mama, wann krieg ich ein Päckchen?" "Morgen wieder." "Warum nicht heute?" "Heute kriegt deine Schwester ein Päckchen." "Aber ich will auch." "Ja, morgen wieder." "Manno, ich will aber auch ein Päckchen!" usw. usw.
Die Hoffnung, dass mit dieser Art Adventskalender Geduld geschult wird, begrabe ich. Zu früh wahrscheinlich. Mit 4 Jahren lebt ein Kind noch zu sehr im Hier und Jetzt, ist Bedürfnisbefriedigung und Haben-Wollen immer sofort. Vielleicht funktioniert es nächstes Jahr. Bis dahin sind noch 10 rote Tage verbal mit Geduld zu meistern.
An dieser Stelle wünsche ich allen noch schöne Vorweihnachtszeit, ein wunderbares Fest und einen guten Rutsch mit den besten Wünschen fürs neue Jahr.
(Da ich nun "Weihnachtsmärkte mache", bleibt kaum Zeit für IRONMOM. Das ist schade, aber im neuen Jahr geht's weiter. Mit vielen anderen Athletinnen, neuen Features, Gewinnspielen etc. Und mit neuem Schwung.) Bis bald und danke fürs Reinschauen.

Freitag, 30. November 2012

Quengelware oder der Zahn der Zeit.


HA! Es ist lediglich eine Frage der Intensität, aber wer kleine Kinder mit zum Einkaufen nehmen muss, der kennt das mit Sicherheit. Spätestens an der Kasse beginnt die wahre Tour de Force.
Als wir noch in Berlin wohnten (dem Paradies der Kinderbetreuung) konnte ich mir das weitgehend ersparen, da die Kinder meist bis 16 Uhr in der Kita waren und man den Einkauf gut ohne sie dazwischen organisieren konnte. Nun wohnen wir am Bodensee und hier läuft es in Sachen Kinderbetreuung nicht ganz so kommod. Die Kita schließt um eins. Die (wenigen) Stunden ohne Kind wollen straff organisiert sein, wenn man etwas schaffen will. Will heißen, der Kleine wird weggebracht und dann hopp, hopp, schnell das wegarbeiten, was wegzuarbeiten ist. Für Einkäufe ist da keine Zeit. Die erledige ich dann nachmittags. Mit Kind! Ich konfrontiere mich also tagtäglich sehenden Auges mit dieser Krisensituation. Und - was soll ich sagen - ich bin maximalst abgehärtet mittlerweile ob der immergleichen Wiederholung: Ein vor Betreten des Ladens klar geäußertes Statement "Nein, ich kaufe heute keine Süßigkeiten!" (hab ich mal irgendwo in einem Ratgeber gelesen) gefolgt von mehreren "Neins" beim Passieren von Kühlregal (Joghurt mit der Ecke, Monsterbacke u.ä.), Schokoladenregal, Knabbersachensortiment und dann diverse "Nein, das kaufe ich nicht! Ich kann nicht jeden Tag Geld für Süßigkeiten ausgeben" an der Kasse beim Anblick von Ü-Eiern, Schokoriegeln, Tic-Tacs und schreiend bunt verzierten Kaugummis. Die Reaktion war nie so heftig wie im Video oben, deckte allerdings doch eine recht umfangreiche Bandbreite von Heulen, Schreien, Quengeln etc. ab. Gestern wieder die wie oben beschriebene Situation. Mittlerweile passieren wir den Laden relativ stressfrei, ein einfaches "Nein", an diversen Stationen scharf geäußert, reicht. An der Kasse kam natürlich wieder die obligatorische Frage "Mama, kann ich eine Schokolade haben?" Ich blicke Sohnemann an und schüttele den Kopf. "Ach so, du hast ja kein Geld und kannst nicht jeden Tag Süßigkeiten kaufen." Überrascht schaue ich ihn an. "Das stimmt", sage ich. Ohne einen weiteren Kommentar bzw. Reaktion geht er vergnügt!!! weiter. Ich bezahle und wir verlassen den Supermarkt. Ich bin immer noch ganz perplex ob der Erkenntnis, dass sich gewisse Dinge scheinbar irgendwann wie von selbst erledigen, oder wie man so schön sagt, dass alles "nur eine Phase" ist. Bin auf den heutigen Einkauf seeehr gespannt.

Dienstag, 27. November 2012

Training overseas

Irgendwie sitzen wir doch alle im selben Boot. Diese Karte schickte mir eine Freundin aus Neuseeland:


Donnerstag, 22. November 2012

Hits & Shits

Gute und doofe Vorlesebücher.


Ich lese gern. Ich liebe Bücher. Auch lese ich (eigentlich) gerne vor. In den letzten 10 Jahren ungefähr 1.216 Stunden vorgelesen (wenn man von 20 Minuten Vorlesezeit am Abend, erst für die Große, jetzt für den Kleinen ausgeht).
In dieser Zeit sind mir eine Menge Kinderbücher begegnet: Gute, sehr gute, schlechte und unfassbar schlechte. (Bei letzteren wird das Vorlesen allerdings zur Qual, was gestern der Fall war).
Daher dachte ich mir, ich lege einmal eine Liste an. Eine Liste der Kinderbücher, die ich gut finde. Und eine der Bücher, die ich nicht leiden mag. Diese Listen sind natürlich unvollständig und daher beliebig erweiterbar. Feel free to do so.

Gute Kinderbücher (für Kinder zwischen 3 und 5), die ich gerne vorlese:
- Grüffelo
- Urmel
- Räuber Hotzenplotz
- Das kleine Gespenst
- Pippi Langstrumpf
- Märchen
- Flunkerfisch
- der kleine Eisbär
- Wo die wilden Kerle wohnen
- Das Traumfresserchen
- Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat
- Kleiner König Kalle Wirsch
- Der Kleine König
- Vater und Sohn
- und diverse Such- und Wimmelbücher

Doofe Kinderbücher, die ich nicht gerne vorlese:
- Bobo Siebenschläfer, ein larmoyanter, schlecht gezeichneter Bär mit unfassbar geduldigen Eltern, deren einzige Daseinberechtigung darin besteht, auf Bobos Befindlichkeiten zu reagieren. Naja, immerhin sind die Geschichten überschaubar kurz.
- Conni, das Gutmädchen, das das Leben mit allen Widrigkeiten (Arztbesuch, Umzug etc) immer gut meistert
- Bücher mit Musik, deren Geplärre unerträglich ist.
- Wieso, weshalb, warum-Klappbücher. Was soll ein Vierjähriger mit einem Satz wie "In der Abflughalle sind die Abfertigungsschalter der verschiedenen Fluggesellschaften. Dort geben die Passagiere ihre Flugscheine ab und erhalten eine Bordkarte mit Sitzplatznummer." anfangen?














































































































Montag, 19. November 2012

Ich hab's getan.

Ich sitze vor meinem Rechner, die Kinder spielen im Schlafzimmer. Gelächter, Geflüster, muntere Laute dringen herab, manchmal lacht der Kleine aus vollem Halse (das schaffen, glaube ich, nur Kinder, sich gegenseitig derartig zum Lachen zu bringen), ich muss grinsen.
Dann höre ich ihn, der Vorboten der herannahenden Katasprophe: "Hör auf!" ruft die Große, gefolgt von spitzbübischem Gekichere, dann wieder "Lass es!" Ihr Ton wird lauter, wütender. Ein erneutes "LASS ES!", noch rabiater. "Mist", denke ich, will aufstehen und nach dem Rechten sehen.
Aber - STOP - was würde passieren, wenn ich es ließe?
 Ich beschließe, es drauf ankommen zu lassen.
"LASS ES!". Sie ist außer sich vor Zorn, das ist der Stimme deutlich anzuhören. Dann knallt es. Der Kleine beginnt zu schreien, wie am Spieß. Vor Schmerz, das ist deutlich zu hören. Eine Tür knallt, Schritte entfernen sich stampfend, eine zweite Tür knallt. Das Geheule ist durch die geschlossene Tür deutlich leiser, aber ungebrochen vehement. Nach ca. einer Minute wird es angereichert durch jammende "MAMAAA!"-Rufe. "Noch nicht", sage ich mir. Zwei weitere Minuten später geht eine Tür auf und dan Geheule kommt näher. Ich bleibe sitzen. Irgendwann dann steht es in der Tür: "Mamaaaaa, die L. hat mich gehauen, uuuuhäääähhhhh". Ich bleibe unbeeindruckt, sage etwas wie "Na, aber du hast sie bestimmt geärgert", "Neeeiiin, hab ich (schniff) nicht." Ich hole ein Taschentuch, putze die kleine Rotznase, setze mich an den Tisch und beginne zu lesen. Er setzt sich schniefend dazu. Dann entdeckt er Zettel und Stifte und beginnt zu malen. Etwas später erscheint die Große. Auch sie setzt sich zu uns. "L, kannst du mir ein Monster malen?" fragt der Kleine. "Kann ich machen." L. malt ein Monster. Als wäre nix gewesen. Ich bin begeistert und fasziniert ob der Tatsache, wie wenig nachtragend Kinder zu sein scheinen.

Mittwoch, 14. November 2012

Outdoor-Training: Spielplatzbesuch.


 "Ich habe mich nie gefragt, ob es vielleicht nicht normal ist, dass ich keine Lust habe, 24 Stunden am Tag ausschließlich mit einem kleinen Baby zu verbringen. Es gibt sicherlich Frauen, die das schön finden, ich gehöre nicht dazu. Und ich kann Ihnen sagen, ich habe in all diesen Jahren viele Mütter beobachtet, im Jardin du Luxembourg, hier, gleich unter meinem Fenster. Stundenlang habe ich mir die leeren Gesichter mit diesem Gott-kotzt-mich-das alles-an-Ausdruck angeschaut. Die Frauen saßen am Rand der Sandkiste, schauten gelangweilt nach rechts und links, die Kinder spielten allein im Sand. Warum können Frauen nicht zugeben, dass es unerträglich sein kann, einen ganzen Tag mit einem kleinen Kind zu verbringen? Deshalb ist man doch nicht gleich eine schlechte Mutter."

Dies sagte die französische Philosophin und Soziologin Elisabeth Badinter in einem Spiegel-Interview (Spiegel Nr. 34, 2010) und sprach bestimmt einigen Müttern aus dem Herzen.

Auch ich habe viele Stunden auf diversen Spielplätzen verbracht und fand es weitestgehend unerträglich, wie ein Ölgötze neben dem wackelig die Rutsche erklimmenden Spross zu stehen, die Hand vorsorglich schützend hinters Hinterteil haltend. Besser wurde es, als die Kinder so groß waren, dass man ihnen nicht mehr assistieren musste, sondern statt dessen lesen konnte. Denn dann konnte ich eintauchen in die Welt der Literatur bzw. mich übers Tagesgeschehen oder die neuesten Modetrends informieren.
Dass das nicht ignorant, sondern im Gegenteil gut so ist, sagt sogar ein Spielplatzexperte. In einem Interview in der NIDO (6/2010) plädiert G. Beltzig für möglichst "unbeaufsichtigtes Spielen". Die Eltern sollen sich idealerweise möglichst weit weg (Rufweite) befinden. "Schnappen Sie sich eine Zeitung, setzen Sie sich auf die Bank. Und greifen Sie nicht andauernd ein" so Beltzig.
Na, dann. Scheinbar alles richtig gemacht und jeder kam auf seine Kosten.


Montag, 12. November 2012

Live von der Trainingsfront: Athletinnen berichten.


Name:
Manuela

Mama von:
Mirco (4) und Marie (2)

Stadt:
Ulm

Beruf:
Eigentlich Grafikerin, z. Zt. gezwungenermaßen Vollzeitmama





Wie sieht ein normaler Wochentag/dein Alltag mit Kind aus?
Marie weckt uns meist gegen 6 Uhr. Während sie noch ein wenig zu Papa ins Bett kriecht, mache ich mir einen Kaffee und genieße kurz die Ruhe. Dann wecke ich Mirco und wir frühstücken. Ich ziehe beide Kinder und mich an und wir gehen zu Mircos Kita, wo ich ihn dann so gegen halb 9 abgebe. (Marie bekommt erst einen Platz, wenn sie 3 ist). Auf dem Rückweg von der Kita gehen wir dann meist einkaufen. Wenn wir gegen halb 10 zuhause sind, ist der Papa schon zur Arbeit.
Während ich versuche, einiges im Haushalt zu erledigen (Spülmaschine, spülen, Wäsche etc.), entstehen neue „Baustellen“ überall dort, wo Marie gerade unterwegs ist. In ihrem Zimmer bleibt sie in den seltensten Fällen, sie will immer da sein, wo ich gerade bin. Während ich beispielsweise den Geschirrspüler ausräume, tut sie das gleiche mit dem Topfschrank oder ich hänge die Wäsche auf und sie hängt sie wieder ab. So vergeht die Zeit bis halb 1 recht schnell ohne das ich nennenswert viel geschafft habe und wir machen uns auf den Weg, Mirco von der Kita abzuholen. (Mircos Kita betreut Kinder nur bis 1 Uhr, dann schließt sie!!!). Wir gehen nach Hause und ich mache etwas zu essen. Das gemeinsame Mittagessen besteht aus Kleckern, Kleckern und Kleckern. Im Anschluss versuche ich die Küche wieder auf Vordermann zu bringen, während die Kinder sich streiten. Dann schnappe ich mir die müde Marie, um sie zum Mittagschlaf hinzulegen. Dieses Procedere dauert manchmal bis zu einer Stunde, da Mirco mit von der Partie sein möchte. Wenn Marie endlich schläft, beschäftige ich mich mit Mirco, und versuche so, den Lautstärkepegel unter Kontrolle zu halten. Am Nachmittag gehen wir oft auf den Spielplatz, auf dem Rückweg manchmal noch Vergessenes einkaufen. So gegen 6 bereite ich das Abendessen zu, um 7 essen wir alle gemeinsam mit dem mittlerweile heimgekommenen Papa. Danach mache ich die Kinder bettfertig, ich bringe meist Marie ins Bett und der Papa Mirco. Um halb neun haben wir noch etwas Zeit zu zweit, bevor ich todmüde ins Bett falle.

Was macht es manchmal besonders anstrengend?
Ich finde es zur Zeit besonders anstrengend, den ganzen Tag ein oder beide Kinder mit ihren diversen Launen und Bedürfnissen um mich herum zu haben. Es gibt kein Zeitfenster, wo ich abschalten oder mich konzentriert mit etwas beschäftigen könnte, was nichts mit Kindern zu tun hat. Irgendwas ist immer, aber selten etwas, was ich aus freien Stücken so gewählt hätte (mal in Ruhe irgendwo zu sitzen und ein Buch/Zeitung zu lesen, mich am Computer zu beschäftigen, Tagzuträumen, eine email zu schreiben oder oder oder...
Und den Lautstärkepegel finde ich extrem anstrengend. Es ist eigentlich immer laut, außer in der zeit, wenn beide Kinder schlafen oder wenn sie ausnahmsweise mal eine halbe Stunde friedlich miteinander spielen. Aber selbst das kann ich nicht wirklich goutieren, da ich immer schon auf das nächste Wutgebrüll oder sonstiges Geschrei warte. Denn kommen tut es garantiert.


Was ist im Moment deine größte Herausforderung:
Die Ruhe zu bewahren, innerlich so wie äußerlich. Wie oft bin ich kurz davor, laut zu brüllen. Aus Wut, Verzweiflung oder weil ich so genervt bin „HÖRT DOCH ENDLICH MAL AUF!“ Ich versuche dann immer tief durchzuatmen, leise bis 10 zu zählen und mir einzureden, dass sie gar nicht wissen, was ich meine und es eh nix bringt. Ich versuche, mich zusammenzureißen und zum 1000sten mal zu erklären, dass man Spielzeug nicht einfach aus der Hand reißt oder dass gerade der andere damit spielt. Was aber auch nichts bringt.

Gibt es da konkretes Beispiel/ Situation:
Nachmittags, Marie ist gerade von ihrem Mittagschlaf aufgewacht. Ich wickle sie und versuche sie zum Spielen mit ihren Spielsachen zu animieren. Mirco kommt. Er will mitspielen, also das haben, was Marie gerade hat. Sie will es aber nicht hergeben, Mirco reißt es ihr aus der Hand, Marie beginnt zu schreien, ich nehme das Spielzeug Mirco wieder weg, biete ihm ein anderes an, was er natürlich nicht haben will. Er wird wütend und schmeißt es durch die gegend. Ich sage ihm, dass er nicht mit Spielzeug schmeißen darf. Er wird noch wütender und versucht, Marie zu hauen. Ich halte ihn fest, er kratzt und versucht mich zu beißen. Ich bringe ihn in sein Zimmer und mache die Tür zu. Höre, wie er Wut seine Sachen aus dem Regal zieht und um sich schmeißt. Ich versuche, ihn zu ignorieren. Der Lärm zieht Marie magisch an. Sie will in Mircos Zimmer, darf sie aber nicht. Jetzt bekommt sie einen Wutanfall und ich weiß, dass jetzt nur noch der Spielplatz hilft. Die Aussicht auf selbigen stimmt auch die Kinder wieder milde und sie lassen sich zum Glück bereitwillig anziehen.

Wie gehst du damit um (normalerweise)?
s. o. Luft holen und auf den Spielplatz gehen, ob ich will oder nicht (ich hasse Spielplätze.)

Wer/was hilft Dir am meisten?
Die frische Luft und die Momente, wo sie tatsächlich friedlich miteinander spielen. Dann scheint die Welt so ziemlich in Ordnung.

Was ist deine größte Motivation, wenn du manchmal denkst dir wird das jetzt einfach zu viel?
Zu wissen, das die Zeit auf meiner Seite ist. Dass die Kinder irgendwann vernünftiger und nicht so von ihren unmittelbaren Launen geschüttelt werden.

Wie regenerierst Du?
Alle zwei Wochen habe ich einen Abend oder nachmittag nur für mich. Dann setzte ich mich in ein Cafe und lese, treffe mich mit einer Freundin, gehe ins Kino, einfach nur spazieren oder joggen. Ich hätte gerne mehr Zeit nur für mich, aber das ist momentan leider nicht drin. Aber in einem dreiviertel Jahr kommt auch Marie in die Kita, darauf freue ich mich sehr.

Freitag, 9. November 2012

Magic moments.

Ich bin fasziniert, es beeindruckt und beglückt mich, ein stilles Glück, ein großes Glück, eine staunende Verwunderung und Verzauberung ob dem natürlichen Lauf des Lebens.
Wochen-, Monatelang ist alles irgendwie gleich. Die gleichen Alltagsabläufe mit den immer gleichen Handgriffen und Arbeitsabläufen, den gleichen Ermahnungen, Fragen und Worten. Und den gleichen Zweifeln, die natürlich immer nach direkten Vergleichen auftauchen.  Warum zieht sich der kleine Mann (4,5 Jahre) nicht alleine an (obwohl das der gleichaltrige D. aus seiner Kita schon längst macht), warum hat er immer noch nachts eine Windel (alle andern Jungen in seinem Alter haben das nach Bekunden der Mütter schon längst nicht mehr nötig), warum isst er nicht anständig (das Problem hatten wir mit seiner größeren Schwester nicht), warum kriegt er kein Puzzle zusammen (sogar die Kleineren aus seiner Gruppe bekommen das virtuos hin)?
Und dann plötzlich: "Mama, mich stört die Windel! Ich will ohne Windel schlafen!" "Gut, dann probieren wir das." Es klappt. Von jetzt auf gleich. Eine "gesagt-getan" Quote von 100 %! Aus ihm heraus, völlig freiwillig. Am dritten Morgen nach der dritten Nacht ohne Windel steht er plötzlich angezogen in unserem Schlafzimmer. "Mama, guck mal, ich kann mich alleine anziehen." Er frühstückt anstandslos und möchte im Anschluss alleine zur Kita gehen. Ich bringe ihn ein Stück, an der Ecke sagt er, er wolle jetzt alleine weiter. Ich bleibe stehen und er rennt los. Es sind noch, nur 200 Meter. Ich blicke verstohlen um die Ecke. Er rennt, alleine mit seinem kleinen auf dem Rücken wippenden Rucksack zum Kitaeingang und verschwindet, ohne sich noch einmal umzublicken.
Es ist dieser Quantensprung, von jetzt auf gleich, ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung, der mich vor Verblüffung sprachlos macht, wahnsinnig stolz, wahnsinnig glücklich. Und der mich wahnsinnig beruhigt. Danke an das Leben, das scheinbar weiß, wie es läuft.

Dienstag, 6. November 2012

Ein neues Leben entsteht...

... weit weg von hier in Berlin. Eine Freundin von mir bekommt ein Kind. Ihr zweites. Ich wünsche den beiden von Herzen alles Gute. Dam Rest der Familie natürlich auch.

Es wird ein Junge.

Montag, 5. November 2012

Ich habe mich geärgert...

... über zwei Artikel im aktuellen Zeit-Magazin No. 45, deren Tenor größtenteil hält, was der Titel "Was machen Sie denn beruflich? Nichts. Ich bin Hausfrau." und "Die will doch nur spülen." verspricht.


Daher habe ich meinen ersten Leserbrief geschrieben:


Leserbrief
zu
Zeit Magazin No.45. E. Raether „Die will doch nur spülen.“ und „Arme Frau“.

Berufung Hausfrau oder ein Hoch auf die Erwerbsarbeit?

Die von Frau Raether aufgemachte Wertediskussion wirft für mich eine Reihe von Fragen auf: Ist Erwerbsarbeit (weil entlohnt) wirklich so viel mehr wert als Haus- und Familienarbeit (meist nicht entlohnt)?
Ist die (meist temporär getroffene) Entscheidung, sich eine Weile ausschließlich um Mann, Haus und Kinder zu kümmern, wirklich so Mitleid erregend und hoffnungslos überholt, wie Frau Raether es darstellt? Ist ein entlohntes, berufstätiges Kindermädchen bzw. Haushaltshilfe, die sich um fremde Kinder plus Haushalt kümmert mehr wert, als eine, die das Gleiche für die eigene Familie tut?
Welchen Wert hat welche Arbeit überhaupt?
Ist nur Lohnarbeit etwas wert? Ist nur wer „Wer“, der sich in Abhängigkeit eines Arbeitgebers befindet? Der/die sich z.B. als Friseur für 7 Euro die Stunde in einem Vollzeitarbeitsverhältnis bei seinem Arbeitgeber befindet? Und wahrscheinlich jederzeit gekündigt werden kann? Ist nur ein festangestellter Arbeitnehmer ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft?
Was ist mit all denen, die sich für einen Lebensentwurf jenseits eines festen Angestelltenverhältnisses entschieden haben? Künstler, Musiker, Schriftsteller, Selbständige, die ihre oft prekären Verhältnisse vielleicht gar nicht so schlimm finden? Handelt es sich bei diesen Menschen allesamt um „exotische Lebenskünstler“ wie S. von Regensburg, die im Artikel als einzige gerne Hausfrau und Mutter zu sein scheint? Die ihre finanzielle Abhängigkeit von ihrem Mann nicht schlimm findet, da „man (...) immer abhängig (ist) von den Menschen, die man liebt.“ Ist eine Abhängigkeit von einem launischen Arbeitgeber besser? Ist man dort unkündbarer als bei einer Scheidung? Gibt es Zahlen, wie viele Frauen durch Kündigung einen temporären wirtschaftlichen Abstieg verkraften müssen im Vergleich zu denen, die dasselbe durch eine Scheidung erleiden (s. Artikel „Arme Frau“)?
Liegt die negative Einstellung zur „Hausfrau“ (die übrigens nicht Nichts tut, wie der Titel und Teile des Artikels suggerieren, manche arbeiten gar als „Spülerinnen“, sogar in Festanstellung) an der ideologischen Aufladung durch verschiedene Lager im Zuge der letzten Jahrzehnte? Sollte man eher wie im Marketing von „Familienmanagerin“ sprechen?  Maiora Domus? Oder von multiplen Beschäftigungsverhältnissen (Haushälterin, Chauffeurin, Nachhilfelehrerein, Köchin, Caterer, Sozialarbeiterin, Wäschereifachangestellte, Psychologin etc.) ohne eigenes Gehalt? Freiwillig gewähltes Ehrenamt sozusagen?
Fragen über Fragen. Kann man sie, wie es Frau Raether teilweise tut, eindeutig beantworten? Ich kann es nicht.
Ach, eine letzte habe ich noch: Was ist mit der Hausangestellten eines wohlhabenden Bankmanagers? Jahrelang arbeitete sie in seinem Haushalt, kümmerte sich um alles, um Einkäufe, um seine Wäsche, ums Putzen und und und.
40 Stunden die Woche für 2000 Euro monatlich. Dann verliebten sich die beiden, sie zog bei ihm ein und sie heirateten. Sie bekam einen Ehemann und verlor ihr Gehalt. Ist sie damit weniger wert?

Donnerstag, 1. November 2012

Aus aktuellem Anlass: Noch mal Zeitumstellung.

Seit wann gibt es eigentlich diese verdammte Zeitumstellung? Als ich Kind war, gab es sie jedenfalls nicht (oder ich kann mich nicht daran erinnern). Seit ich Kinder habe, ist sie immer ein Ärgernis. Vor allem in den ersten Lebensjahren. Da hat man den Kleinen mühsamst einen hlbwegs erträglichen Schlafrhythmus beigebracht und dann werden die Uhren umgestellt. Und für ca. eine Woche ist wieder alles für die Katz. Selbst bei dem nun 4,5jährigen (der eigentlich ein guter Schläfer ist), ist seit dem Wochenende einiges durcheinander geraten. War der Sonntag schon grenzwertig ("MAMA!!!!! Können wir was SPIELEEEEEEN????? um 5.45!!!!!!), so waren die letzten Nächte ebenfalls äußerst unruhig. Und ich tagsüber daher auch. Hoffe, das stellt sich bald ebenfalls wieder um.



Dienstag, 30. Oktober 2012

Live von der Trainingsfront: Athletinnen berichten.



Name: Elaine



Mama von: Lola (fast 3)


Stadt: Köln

Beruf: freiberufliche Redakteurin


Wie sieht ein normaler Wochentag/dein Alltag mit Kind aus?
Um 6 wird Lola meistens wach und weckt uns dann prompt, indem sie im Schlafzimmer steht und spielen will. Dazu bin weder ich noch mein Mann um diese Uhrzeit in der Lage. Wir versuchen, sie mit Kuscheln noch ein wenig ruhigzustellen, was aber meist nicht funktioniert. Um 7 stehen wir alle auf und ich mache das Frühstück. Wir frühstücken gemeinsam, was im Moment zum Glück recht unproblematisch ist, denn Lola hat Haferflocken mit Kakao und Milch entdeckt und die mag sie zum Glück. Dann verlässt P. das Haus und geht zur Arbeit. Ich mache Lola fertig für die Kita, in der Hoffnung, um 8 da zu sein. Meistens gibt es Geschrei, denn momentan hat sie eine Phase, dass sie nicht dahin will. Ich gebe ein weinendes Kind in der Kita ab und schleiche mit gesenktem Haupt nach Hause. Dort mache ich mir noch einen Kaffee und setze mich an den Rechner. Zum Glück kann ich von zuhause arbeiten. Ich versuche, durch zu arbeiten, bis ich Lola um 3 wieder abholen muss, erledige aber immer mal wieder zwischendurch ein paar Dinge im Haushalt. Um viertel vor 3 mache ich mich auf den Weg zur Kita, um Lola abzuholen.
Oft gehen wir danach noch einen Kaffee trinken und Lola bekommt ein Eis. Manchmal müssen wir auch noch einkaufen, aber das versuche ich in der Regel zu erledigen, nachdem ich sie morgens in der Kita abgeliefert habe.
Dann gehen wir nach Hause. Wir beschäftigen uns und ich mache nebenher Wäsche oder staubsaugen oder spülen oder oder oder.
Um 6 darf Lola eine halbe Stunde KIKA schauen, damit ich in Ruhe das Abendessen machen kann. P. kommt meist um halb 7 nach Hause und wir essen gemeinsam. Dann mache ich Lola fertig fürs Bett, Baden, Zähneputzen, Geschichte lesen, Lied singen. Um 8 ist dann meist Ruhe und wir schauen noch gemeinsam fern, lesen, manchmal muss ich auch noch arbeiten. Um 22 Uhr falle ich todmüde ins Bett.

Was macht es manchmal besonders anstrengend?
Dass Lola sehr eigenwillig ist in Bezug auf Essen, Kleidung und noch vieles andere. Wenn die Welt nicht so ist, wie sie es gerne hätte, bekommt sie regelmäßig heftigste Wutanfälle und ist nur schwer zu beruhigen oder abzulenken. Wenn sie meint, dass sie etwas nicht mag, isst sie es nicht und heult stattdessen. Wenn ihr ein bestimmter Pulli nicht gefällt, weigert sie sich lautstark, ihn anzuziehen. Wenn ein Spielzeug nicht so funktioniert, wie sie es will, schreit sie vor Wut und wirft es durch die Gegend.
Das nervt, besonders in Situationen, die doch eigentlich harmonisch sein könnten (gemeinsames Essen) oder in der Öffentlichkeit. Ich schwanke dann immer, ob ich nachgeben soll oder hart bleiben. Wofür ich mich entscheide, hängt meist von meinem Nervenkostüm ab. Ich weiß, dass das nicht besonders konsequent ist.

Was ist im Moment deine größte Herausforderung:
Dass Lola gerade nicht in die Kita will. Das Geschrei geht schon zu Hause los, wenn sie mich fragt: „Muss ich heute in die Kita?“ und ich „Ja.“ Sage. Dann beginnt sie zu weinen „Will aber nicht!“ Der Rest ist dann immer ein fieser Kampf, wahnsinnig anstrengend, da er mir so an die Nerven geht. Einerseits tut sie mir leid, andererseits, was soll ich tun? Sie zu Hause lassen? Das geht nicht, weil ich dann nicht konzentriert arbeiten kann und ich doch denke, dass es ihr in der Kita eigentlich gut geht und sie mit ihrer „Phase“ sich nicht durchsetzen darf. Wo käme ich denn dann hin? Aber es ist extrem belastend, ein weinendes Kind in der Kita abzugeben und es fällt mir schwer, mich dann zu Hause konzentriert an meine Arbeit zu machen.

Gibt es da konkretes Beispiel/ Situation nennen:
Heute morgen: Sie fragt mich, ob sie in die Kita müsse, ich sage „Ja“. Sie wirft sich auf den Boden, heult, schreit „Will ich aber nicht!“. Ich versuche sie zu beruhigen, erfinde 1000 Gründe, warum es dort nett ist und versuche sie gleichzeitig anzuziehen. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen, brüllt, schlägt um sich. Ich muss sie quasi aus der Wohnung ziehen und den Weg mit einem schreienden Kind zurücklegen. Die Leute gucken mich schon komisch an. In der Kita angekommen, klammert sie sich an mich, heult, während ich ihr Jacke aus- und Pantoffeln anziehe.
Wenn ich sie einer Erzieherin übergeben will, schreit sie noch lauter und hält sich an mir fest. Ich muss sie mit Gewalt lösen und mich von ihr verabschieden. Noch im Flur höre ich ihr Geschrei. Ziemlich verzweifelt trete ich den Rückweg an.

Wie gehst du damit um (normalerweise)?
Ich versuche, zu ihr klar und bestimmt zu reden und mir meine Verzweiflung nicht anmerken zu lassen. Zu Hause muss ich dann erst einmal tief durchatmen und einen Kaffee trinken, bevor ich mich auf etwas anderes konzentrieren kann.

Wer/was hilft Dir am meisten?
Dass ich weiß, dass es nur eine Phase ist, die hoffentlich bald vorbei sein wird. Das konnte ich schon an anderen Kindern in der Kita beobachten. Auch die Erzieher bestätigen mir das, und mich in meinem Entschluss, nicht nachzugeben. Sie sagen, dass sich Lola meist nach 10 Minuten wieder beruhigt hat und dann auch mit den anderen Kindern spielt. Das sehe ich auch, wenn ich sie mittags wieder abhole.

Was ist deine größte Motivation, wenn du manchmal denkst dir wird das jetzt einfach zu viel?
Gespräche mit meinem Mann, den Erzieherinnen oder anderen Müttern. Und das Wissen, dass alles vermutlich nur Phasen sind und eigentlich doch alles gut ist.

Wie regenerierst Du?
Ich versuche mehrmals in der Woche morgens zu laufen. Manchmal gönne ich mir einen Kinobesuch oder kaufe mir ein gutes Buch. Oder wir organisieren einen Babysitter und gehen schön Essen. Nur mein Mann und ich.



Montag, 29. Oktober 2012

Pünktlich zur Zeitumstellung: Entspannter Schlafen.

Den entspannten Umgang mit Schlaf hat jede Ironmom mit der Geburt des ersten Kindes vermutlich verloren. Legte man sich früher einfach hin, wenn man müde war und schlief, so verliert Schlaf mit Zugang des neuen Erdenbürgers seine selbstverständliche Unbefangenheit. Er wird selten, dafür aber bitter notwendig, man schläft nicht, wenn man müde ist, sondern versucht es, wenn es eventuell passt. Die Entscheidung, ob Schlafen oder nicht, verliert ihre biologische Natürlichkeit, wird stattdessen zum strategischen Kalkül. Das gilt nicht nur für den Umgang mit dem eigenen Schlafdefizit, sondern vor allem auch mit dem des Babys. Zahllose Ratgeber befassen sich mit diesem Thema, auch ich habe einige gelesen (was tut man nicht alles in seiner Verzweiflung). Weitergeholfen haben sie mir nicht, wirklich geholfen hat der Umstand, dass die Zeit vergeht und das Thema Schlafen irgendwann wieder halbwegs funktioniert. Sowohl für mich, als auch für den Nachwuchs. Umso erstaunter war ich, als mich vorgestern eines dieser (vergessen gehofften) zwanghaften Denkmuster hinterrücks überfiel. Bei einer längeren Autofahrt war der "Kleine" (viereinhalb, macht eigentlich keinen Mittagsschlaf mehr) um 17 Uhr in seinem Kindersitz auf der Rückbank eingeschlafen. Sofort war es da, dieses Relikt aus frühkindlicher Zeit: "Wann sollen wir ihn wecken? Wie lang sollen wir ihn schlafen lassen?" Mein Mann war dafür, ihn einfach schlafen zu lassen, damit wir unsere Ruhe haben. Aber so einfach ist es doch nicht!!!!!!
Wenn er jetzt länger als 40 Minuten schläft, dann kriegen wir in doch abends wieder nicht ins Bett. Und er tanzt uns die halbe Nacht auf der Nase rum. Oder er wird womöglich in der Nacht (oder ganz früh) wach, weil er tagsüber zu viel geschlafen hat?
Ich merke, wie ich unruhig werde, nahezu hysterisch. Und meinen Mann dazu nötige, exakt 50 Minuten später einen Rastplatz anzufahren, um den Kleinen zu wecken. Die restliche Fahrt verbringen wir mit einem quengeligen Kind. Als wir zu Hause ankommen, bin ich fertig mit den Nerven und will nur noch ins Bett. Aber das geht natürlich so nicht.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Zielgerade Supermarktkasse oder die sinnlose Aneinanderreihung des immer gleichen Wortes.

Mist! Gestern habe ich es wieder nicht geschafft, am Vormittag (kinderfreie Stunden) einzukaufen. Weil ich weiß, was mir blüht, bricht mir schon vor Ankündigung "Kinder! Wir müssen noch einkaufen!" der Schweiß aus. Am Einkaufswagenständer taucht bereits die erste Hürde auf. Beide wollen in den Wagen, der ntürlich zu klein ist. Erster Kompromissversuch, erstes Geschrei. Schließlich liegt die Große erdnah im Wagenunterbereich, der Kleine sitzt drinnen. Spurt durch den Supermarkt. Zum Glück ist es nicht viel und zum Glück kenne ich den Supermarkt und kann so neuralgische Punkte vermeiden (Süßigkeitenregal, Kühlthekenbereich mit Fruchtzwergen, Monsterbacken und Kinder Pinguis sowie den Zeitungsdisplay, wo Starwars-, Prinzessin Lillifee, Bussi Bär und andere Publikationen die Kinder mit bunten, billigen Gimmicks locken.)
Vor den zwei besetzten (von insgesamt 6!) Kassen bilden sich längere Schlangen. Mist! Beide bestehen zu ähnlichen Teilen aus ältlichen Damen, die hier unten prinzipiell immer passend bezahlen wollen (selbst wenn es offensichtlich nicht reicht). Gerade habe ich mich für eine Kasse entschieden, da geht es auch schon los: "Mama, kann ich ein Überraschungsei haben?" "Nein, den Mist kaufe ich nicht." "Mama, bitte!" "Nein." "Dann die kleinen Eier in der Tüte?" "Nein." "Mama, kann ich eine Schokolade haben?" "Nein." Dann die Bonbons hier?" "Nein." "Mama, kann ich Kinderkaugummis haben?" (die Große) "Nein." "Oh ja, können wir Kinderkaugummis haben?" (der Kleine) "Nein." "Mama, krieg ich die Tictacs?" (die Große) "Nein." "Och bitte, die hab ich schon so lange nicht mehr gehabt." "Nein." "Mama, krieg ich das hier?" (der Kleine zeigt auf eine undefinierbar geformte Packung mit Monstergums) "Nein." "Wieso nicht?" "Weil ich nein gesagt habe." Die Sachen liegen schon auf dem Band, gleich müsste es vorbei sein, da fragt die Kassiererin die Dame vor mir, ob sie es nicht passend hätte!!!!! Diese schaut in ihr Portemonnaie und schüttelt den Kopf. Ich atme gerade erleichtert auf, als ich "Moment" höre. Die Dame vor mir wühlt in ihrer Handtasche. Zwei "Neins" später hat sie gefunden was sie sucht und zieht ein zweites Portemonnaie aus den Untiefen ihrer Henkeltasche. Nach weiteren zwei "Neins" hat sie schließlich festgestellt, dass sie es doch nicht passend hat. Sie erhält ihr Wechselgeld und ich bin dran. "Mama, kann ich die Weingummis haben?" "Nein" "Die teilen wir uns dann auch." "Was kosten die denn?" "45 Cent." "Na gut" "Mama, du bist die beste, danke!" Ich fühle mich geehrt und inkonsequent. Mit den Einkäufen verlassen wir den Supermarkt. Draußen spuckt die Große ihr Weingummi ins Gesträuch. "Bäääh, die sind ja ekelig." Auch der Kleine mag sie nicht und spuckt es aus. "Hier Mami, die kannst du essen. Du hast sie ja auch bezahlt."

Dienstag, 23. Oktober 2012

Ausdauer-Disziplin: Geschwisterstreit

"Mamaaaa! Die L. hat...!!!"

 2 Kinder, 2 Kinderzimmer und ohne Ende Spielsachen. Trotzdem besteht der Lieblingssport der beiden (4 und 10) zur Zeit nahezu hauptsächlich aus Streiten, Zanken, Piesacken und Provozieren. Gerade noch tönt fröhliches Geschwistergekicher durchs Haus, so kippt die Stimmung sekundenschnell, was Gebrüll, "LAAASS DAS!" und "HÖR AUF"- Geschrei zur Folge hat.
Kurz danach steht ein Kind (meist der Kleinere) heulend bei mir im Zimmer.
Es folgt die unvermeidliche "die hat angefangen!" - "gar nicht."-Diskussion, die stereotype-Mama-"jetzt hört doch endlich auf, euch dauernd zu streiten!"-Reaktion, beide verschwinden, kurz Gekicher, und schon geht es in die nächste Runde.
Ich habe mal gelesen, man solle sich nicht einmischen, Streit unter Geschwistern sei normal, sogar notwendig, weil es die Sozialkompetenz fördert und Einmischen sei kontraproduktiv. Ich will mich ja auch gar nicht einmischen, ist überhaupt nicht meine Absicht. Aber warum können sie mich nicht einfach damit in Ruhe lassen?

Montag, 22. Oktober 2012

Quengeln bemerkenswert.

Das quengelnde Kleinkind, Belastungsprobe für jede Ironmom, vor allem im öffentlichen Raum wie Supermarkt oder Restaurant, aber auch in den eigenen vier Wänden, wenn Dinge nicht so laufen, wie Kind das will (oder kann).
Im "Leitfaden für faule Eltern" von T. Hodginson fand ich eine bemerkenswerte Passage über das Quengeln. Er schreibt: "Warum jammern und quengeln Kinder? Warum geben sie diese grauenhaften Geräusche von sich? Fragen wir uns zunächst, welche Tiere quengeln. Viele sind es nicht. Die meisten Tiere nehmen ihr Schicksal einfach hin und machen das Beste daraus. Nicht so der domestizierte Hund. Weil Haushunde so häufig verwöhnt werden und es gewohnt sind, ihren Willen durchzusetzen, winseln sie, wenn sie nicht kriegen, was sie wollen, oder wenn sie etwas wollen, das sie sich nicht selbst beschaffen können. Es ist dies ein Ausdruck von Machtlosigkeit und Abhängigkeit. Wenn man selbst nichts machen kann, wenn man davon abhängig ist, dass andere die eigenen Bedürfnisse und Wünsche erfüllen, dann ist Winseln und Quengeln die hilflose Reaktion, wenn es einmal nicht so läuft, wie man es gern hätte."
Da ist bestimmt was dran, dass ein Kleinkind, eben weil es vieles noch nicht kann, eben deswegen quengelt. Hodginsons Rezept ist es, das Kind so früh wie möglich zur Selbständigkeit und damit Unabhängigkeit zu erziehen. Gemäß seiner Logik quengelt ein Kind dann deutlich weniger, wenn es das Gefühl hat, dass die Dinge in seiner Macht liegen. Je eher, umso besser. Und bis es soweit ist, muss man eben durch. Oder nicht?

Freitag, 19. Oktober 2012

Live von der Trainingsfront: Athletinnen berichten.

Heute: Anke aus Berlin.

Name: Anke Peters

Mama von Carlotta (2)

Stadt: Berlin

Beruf:
Berater in einer Werbeagentur

Lotti bei der Hausarbeit.


Wie sieht ein normaler Wochentag/dein Alltag mit Kind aus?
Ich stehe um ca 7 Uhr morgens auf, mache mich fertig, bereite das Frühstück vor und die Brotdose für’s Kind, räume eventuell noch die Spülmaschine aus, hänge Wäsche auf, je nach dem was anfällt.
Dann wecke ich das Kind, wir frühstücken und fahren mit dem Fahrrad zur Kita. Danach hetze ich, meistens total verspätet, ins Buero.
Ich arbeite bis 19 Uhr am Abend, radel dann schnell heim, um das Kind von der Kinderfrau, die Carlotta um 16 Uhr aus der Kita abholt, entgegen zu nehmen. Oft gehen wir dann noch schnell einkaufen, essen Abendbrot. Da Carlotta erst gegen halb neun ins Bett geht, haben wir noch ein bisschen Zeit füreinander, wo wir Bücher lesen, Spiele machen, Puzzeln, etc.
Wenn Lotti schläft, arbeite ich meistens weiter. Telefoniere noch, beantworte Mails und bereite meinen nächsten Tag vor.
Sehr selten kommt mich auch mal eine Freundin zum plaudern besuchen, oder ich gucke einen Film oder ich telefoniere mal. Aber meistens habe ich dazu kein Zeit oder bin zu müde, oder oder..
Da ich für die Agentur sehr oft unterwegs bin, gibt es auch Tage, wo ich so früh morgens das Haus verlasse und so spät erst wieder komme, dass ich das Kind gar nicht sehe. Das ist schlimm, denn ich habe ein sehr schlechtes Gewissen an solchen Tagen. An solchen Tagen kümmert sich das Kindermaedchen um Lotti.


Was macht es manchmal besonders anstrengend?
Da ich unter der Woche alleinerziehend bin, empfinde ich es als große Belastung, dass alles an mir hängt. Angefangen bei allen Haushaltsarbeiten, dem Job, dem Kind, die Orga, etc. Weder Carlotta noch ich dürfen krank werden. Es muss immer alles funktionieren, sonst fliegt es mir um die Ohren und ich habe keine Hilfe.
Als anstregend empfinde ich auch, dass Kinder ihren eigenen Rhythmus haben. Manchmal klappt morgens alles gut und dann liegen wir gut in unserer Zeit, manchmal aber eben nicht. Dann wird eben nicht gegessen, oder sich angezogen, oder sie muss noch mal zur Toilette, wenn wir gerade los wollen. Und das schlimmste ist, dass das ja eigentlich das Schöne an Kindern ist, aber in meinem Alltag ist wenig Platz/Zeit für diese Freiheit.
Anstrengend finde ich auch, dass ich nie Zeit für mich habe, zumindest nicht unter der Woche. Zeit, die ich einfach so gestalte, wie es mir passt. Es gibt nämlich immer irgendetwas zu tun: Hausarbeit, Job, etc.. Ich vermisse Freiheit und Spontanitaet.


Was ist im Moment deine größte Herausforderung:
Die groesste Herausforderung fuer mich ist es, alles unter einen Hut zu bringen und dabei selber nicht zu kurz zu kommen. In dem ganzen Stress, genug Zeit für Lotti einzuräumen und den mit schönen Dingen zu verbringen.
Wenn ich angespannt bin und besonders gestresst, ist es Lotti auch und „dankt“ es mit Bockigkeit, und Wutanfällen.
Meine Herausforderung da ist es, die Ruhe zu bewahren. Manchmal verliere ich da auch die Nerven, aber das macht es meistens schlimmer und ist auch nicht zielführend. Manchmal bin ich auch überfordert mit der Erziehung und frage mich, ob ich wohl alles richtig mache.
Eine weitere Herausforderung ist, dass das Kind uns (Mama und Papa) immer gegeneinander ausspielt.  Da ist es schwierig, als Elternfront hart zu bleiben und nicht einzuknicken.

Gibt es da konkretes Beispiel:
Papa kommt ja nur am Wochenende und wenn man dann mal richtig mit ihr schimpft, ruft sie entweder nach Mama oder Papa. Je nachdem, wer gerade geschimpft hat.
 Andere Situationen fuer Trotzanfälle koennen jegliche Momente sein, wo sie nicht ihren Willen bekommt oder man etwas einfach nicht nach ihrer Vorstellung macht. Das kann alles sein und zum Drama führen. Zum Beispiel: zu viel Wasser ins Glas eingeschüttet. Brot in zwei Hälften geteilt, falschen Pulli angezogen, ...

Wie gehst du damit um (normalerweise)?
Ich lasse sie weinen und sag ihr, dass sie durch ihr Geschrei nicht das erreicht, was sie möchte.
 Wenn es richtig schlimm ist, lege ich sie in ihr Bett. Erkläre ihr, dass sie sich nun beruhigen kann und mich rufen soll, wenn sie sich beruhigt hat. Ich erkläre ihr, dass ich sie hören kann und für sie da bin.

Wenn sie gekratzt, geschlagen, getreten hat, bringe ich sie auch ins Zimmer und erkläre ihr, dass sie sich entschuldigen muss. Wenn sie sich entschuldigt, setzen wir uns zusammen hin, ich erkläre ihr, warum das nicht geht und warum es nicht richtig ist. Dann umarmen wir uns meistens und ich sage ihr, dass ich sie sehr lieb habe.

Wer/was hilft Dir am meisten?
Unsere Kinderfrau ist eine super Unterstützung und mein Mann auch, wenn er zuhause ist.

Was ist deine größte Motivation, wenn du manchmal denkst, dir wird das jetzt einfach zu viel?
Meine Motivation sind die schönen Momente, die ich mit meiner Familie habe. Ich finde Lotti toll und möchte nicht missen, dass sie da ist.
Und Schlaf hilft, wenn’s zuviel wird.

Wie regenerierst du?
Indem ich mal ein paar Stunden am Wochenende für mich bin, Kaffee trinken gehe, mit dem Fahrrad durch die Gegend düse, ein bisschen Sport treibe, mit Holger und Lotti an die Ostsee fahre, etc.

Man wird bescheiden. ;o)


Mittwoch, 17. Oktober 2012

Brot und Spiele.

Seit nunmehr 8 Jahren mache ich Brotboxen fertig. Seitdem gilt tagtäglich (unter der Woche) einer meiner ersten Gedanken nach dem Aufwachen der Frage, ob wir frisches Brot, Aufschnitt, Käse etc. und vor allem frisches Obst oder Gemüse haben. Während erst ein Kind (später 2) ihre Haferflocken, Cornflakes, Müsli oder ähnliches löffeln, schmiere ich Brote und schneide Obst und Gemüse in portionsgerechte Happen, die in der Brotdose verstaut werden. An guten Tagen, will heißen, wenn vorhanden, landet in selbiger noch eine kleine Nettigkeit in Form von Salzstangen, Kinder Pingui o.ä.. Insgesamt also bisher ca. 3.000 Kita- und Schulbrote und Obstschnitzer. Gefühlt habe ich nahezu die Hälfte nach beendigtem Schul- oder/und Kitatag wieder entsorgen dürfen. Ich weiß nicht, ob es meine Schuld ist, weil ich die falschen Brote mache? Diese Verdacht beschleicht mich, wenn ich mal wieder eine Stunde auf "Pinterest" (für Unkundige: eine Online-Plattform (soziales Netzwerk) für schöne Dinge) unterwegs bin. Da sehen Lunchboxes so ganz anders aus.


Das Auge isst mit. Und ein netter Spruch auf der Serviette ist auch nett.
Manchmal nehme ich mir dann vor, auch kreativer in der Pausenbrotgestaltung zu werden. Was dann oftmals daran scheitert, dass morgens die richtigen Zutat und mir die Zeit fehlt.

Montag, 15. Oktober 2012

Ideologischer Hürdenlauf: Der Tragling und die Relevanz der Spreiz-Anhock Stellung.



Wer gedacht hat, dass man ein Baby einfach so tragen könnte,  ist der „Spreiz-Anhock-Stellung“ noch nicht begegnet. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die ganze geheimnisvolle Welt des „Wie-trage-ich-ein-Baby“. In dieser Welt gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Babytragen,  hier ist Trageberaterin ein seriöser Berufsstand, BB die Abkürzung für Babybjörn (eine Babytrage und ein natürlicher Feind) und Marketing  zeigt sein fiesestes Gesicht. In dieser Welt ist das Tragen eines Babys keine Tätigkeit, sondern eine Ideologie, eine Berufung und eine Wissenschaft für sich. Ähnlich wie bei den ersten ideologischen Hürde, dem Wunschkaiserschnitt und dem Stillen, werden hier die Athletinnen in Gewinngruppen eingeteilt. Advantage für diejenigen, die ein Tragetuch verwenden, Wettkampfvorteil auch für Manduca, Glückskäfer, Marsupi und MeiTei und Punktabzüge bei den Babybjörn- und Kinderwagen-Benutzerinnen. Weitere Zusatzpunkte und gegebenenfalls Abzüge können durch tragende Körperregion (auf der Hüfte vs. Bauch vs. Rücken) und die Dauer des Tragens (nur wenige Monate vs. Viele Jahre) erlangt werden.
Für alle Ironmums, die hier nur Bahnhof verstehen, eine kurze Definition:
„Unter der Anhock-Spreizhaltung versteht man jene Körperhaltung, die ein Neugeborenes automatisch einnimmt, wenn man es hochhebt: Die Beine sind angehockt, die Knie auf Nabelhöhe und die Oberschenkel leicht abgespreizt. Diese Haltung ist prädestiniert dazu, dass das Kind auf der Hüfte eines Erwachsenen getragen werden kann, und liegt begründet in der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen.*
(*http://de.wikipedia.org/wiki/Anhock-Spreizhaltung)
Eine gute Tragehilfe sollte dies berücksichtigen und gewährleisten, dass das Kind diese Haltung einnehmen kann.
So viel zu den Fakten und nun ab ins Reich der Ideologien. Das findet man in Publikationen zum Thema, in Mütter-Kind Gruppen, in Hebammen- und Kinderarztpraxen, in Werbebroschüren und Gebrauchsanweisungen der einzelnen Tragehilfen und in seiner ganzen Widersprüchlichkeit im www.
Googelt man „Baby tragen“ oder „Tragehilfen“ gibt es unzählige Informationen über Relevanz, Dauer und Häufigkeit des Tragens und damit verbunden über die Wahl der richtigen Tragehilfe bzw. Position des Kindes in derselben.
Der größte Teil ist nicht wissenschaftlich fundiert, obwohl es oft den Anschein hat.
So kann man einerseits nicht oft genug tragen:
„Viel Körperkontakt durch oft Tragen, Familienbett, stillen, etc. fördert in den ersten Lebensjahren enorm das Sozialverhalten und es ist wissenschaftlich belegt, daß solche Kinder später viel weniger zur Gewaltbereitschaft neigen, wie anders aufgewachsene Kinder. Dieses ist auch in den verschiedenen Völkern zu sehen. Ruhige friedvolle Völker versorgen ihre Kinder besonders in den ersten Jahren mit viel Liebe, Körperkontakt (Massagen, etc.), Tragen, stillen, etc.. In den zivilisierten Ländern, wo es schick ist, sein im eigenen Kinderzimmer schlafen zu lassen, nur kurz zu stillen, immer im Kinderwagen liegend, immer im Laufstall aufhaltend, etc. neigen die Kinder später zu sehr viel mehr Gewaltbereitschaft.“

Andererseits muss man aufpassen:
„die Erfahrung als Physiotherapeutin zeigt, dass die meisten Kinder mit Rücken-/Haltungsschäden in der Behandlung längere Zeit in einem Tragetuch oder BabyBjörn getragen worden sind.
Die Kinder haben bei längeren Ausflügen im Tuch keinen Platz sich frei zu bewegen in Ihren wachen Phasen.“

Besonders bei der Wahl der richtigen Tragehilfe ist Vorsicht geboten, sonst hat man sich schnell disqualifiziert:
„hallo ihr.
muss mal meinen "frust" loswerden.
waren gerade beim einkaufen in unserer überdachten einkaufspassage.
da habe ich einen papa mit BB gesehen.
um es noch schlimmer zu machen (was ja der BB sowieso ist) hatte der papa das baby so gebunden, dass das kind dauernd den kopf nach hinten geklappt hatte und so weit unten, dass der kopf des babys unterhalb der brust des papas hing wenn nicht noch weiter tiefer...
das baby hat mir sooo leid getan, dass ich kurz davor war hinzugehen und ihm zu zeigen wie es gesund ist (hatte meinen zwerg im bondolino)...
aber hab mich nicht ganz getraut...
was hättet ihr gemacht??
bin echt geschockt, hat sooo schlimm ausgesehen!!“
Athletinnen, die sich für ein Tragetuch (TT) entscheiden, scheinen in der Disziplin „Baby tragen“ deutlich besser zu punkten als Verwenderinnen von Tragesäcken oder anderen Tragehilfen. Babybjörn-Nutzerinnen werden auf die hinteren Plätze verwiesen. Den vom schwedischen Familienunternehmen produzierten Bauchtragen, wird vorgeworfen, schädlich für Babys Rücken und Becken (keine Spreiz-Anhock-Haltung, kein Rundrücken) zu sein und eine aggressive Marketing-Strategie zu betreiben:  „Ich glaube, diese Hebammen und Verkäuferinnen bekommen Geld oder so von BB, damit die den auch so nett anpreisen. Anders kann ich mir das nicht erklären...“
„Das interessiert doch den Hersteller nicht die Bohne! Die wissen, dass das Teil sch... ist, aber verkaufen es weiterhin, weil sie damit viel viel Geld verdienen!“

Ähnlich wie beim Stillen, sollte sich jede Ironmum auch bei dieser ideologischen Hürde gut überlegen, wie sie sie überwindet. Um mental gut gewappnet mit ihr umzugehen, sich unbeirrt auf seinen eigenen Weg zu konzentrieren und sich aus Lagerkämpfen weitgehend raushalten zu können. Denn die kosten zusätzliche Energie, die man in jedem Falle besser für das eigentliche Training gebrauchen kann.
Oder es einfach so machen:
Real Cowboys know how to do it.
 

Freitag, 12. Oktober 2012

Familienausflug à la Tom Hodginson, Teil 2.

Hier kommt die Fortsetzung des von T. Hodginson in seinem "Leitfaden für faule Eltern" Rowohlt Verlag, 2011 beschriebenem Familienausflug - den wir auch schon des öfteren 1 zu 1 so erleben durften:
... "Früher oder später kommen wir beim Vergnügungspark an und das überwältigende Gefühl, verarscht zu werden, überfällt uns. Wir werden über den Tisch gezogen, ausgenommen, zum Opfer gemacht, sie verdienen an unserer Schwäche. Hier verbringt der Sklave seinen freien Tag. Aber sollte man für Vergnügen bezahlen müssen. Faule Elternschaft ist kostenbewusste Elternschaft. Unbedingt und zu jeder Tageszeit müssen wir das Geldausgeben vermeiden.
Als nächstes dann die grauenhafte Langeweile beim Schlangestehen vor den Fahrgeschäften, wobei man müßig Spekulationen über die anderen Familien um sich herum anstellt: Sind sie glücklich? Fahren die auch nach Hause und schlagen mit Türen, schreien sich an und haben schlechte Laune? Der Vergnügungspark ist ein seltsam einsamer Ort. Hunderte von Familien schlurfen aneinander vorbei, ohne ein Wort zu wechseln, wie stumme Zombies. Das Mittagessen ist ein überteuerter Alptraum im Plastikpack. Und die Zeit schleicht dahin: Es ist erst zwei Uhr. Wann kann ich endlich raus aus diesem Höllenloch? Die Kinder wollen immer noch eine Fahrt. (...) Dann die Höllenqualen der Rückfahrt. Kinder und Eltern sind gereizt und zappelig. Die Kinder wollen grundsätzlich länger bleiben als die Eltern. "Wir gehen jetzt!" "Ooooo! Warum? Warum? Warum?" Höchstwahrscheinlich kommen die Kleinen gerade von ihrem durch Junkfood induzierten Zuckerrausch herunter. Auf der Rückbank treten sie um sich, ziehen sich gegenseitig an den Haaren und reißen sich die neuen Spielsachen aus den Händen. Die Drohung, sie auf dem nächsten Parkplatz auszusetzen, scheint die Lage nicht zu verbessern. Selbst wenn ich den Motor abstelle, streiten sie weiter. Die beste Vorgehensweise, wenn auch nicht leicht durchzuführen, besteht unserer Erfahrung nach darin, ihnen keine Beachtung zu schenken. Ich erinnere mich an eine Autofahrt, bei der V. und ich schlichtweg zu müde waren, uns mit ihnen herumzuschlagen. Es war uns einfach egal. Sie haben sich auf der Rückbank gezankt und irgendwann, wie durch ein Wunder, und ohne jegliches Eingreifen von Seiten der Autoritäten aufgehört. Wahrscheinlich mischen wir uns viel zu oft ein. Ohnehin ist es für mich grundsätzlich unmöglich herauszufinden, wer angefangen hat, wer recht hat und wer nicht. Jedes Mal scheitere ich unweigerlich bei dem Versuch, den unparteiischen Richter zu spielen. Alle ihre Versionen klingen immer so überzeugend. Und zu guter Letzt, wenn wir wieder zu Hause sind, sage ich "OK, ich gehe jetzt raus und komme in drei Minuten wieder. Ihr macht das unter euch aus." Erstaunlicherweise funktioniert das.
Nach dem Abendbrot, bei dem die Kleinen sich vermutlich komplett danebenbenommen haben, müssen sie gebadet und ins Bett gebracht werden. Der Abend lockt mit ein, zwei Stunden erschöpften Alkoholgenusses, bevor wir um halb elf auf dem Bett zusammenbrechen, enttäuscht und ein gutes Stück ärmer."

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Das erste Mal ...

... zu sehen, wie ein kleines Menschlein narkotisiert wird, ist echt beinhart. Erst neigt man noch dazu, zu schmunzeln, wenn der Kleine mühsam gegen den "Traumsaft" ankämpft: Plötzliche Kicheranfälle, das Nichtverstehen, wenn der eigene Körper nicht mehr so mitmacht, wie gewohnt, wenn der Kopf nach vorne kippt, er nicht mehr stehen kann oder doppelt sieht.
Im OP selbst wurde es dann heftig. Zu sehen, wie er mit purer Verzweiflung in den Augen und letzter Kraft versucht, die Gasmaske über seiner Nase wegzudrücken. Und dann plötzlich wie tot daliegt, der kleine Körper komplett erschlafft, eine Kanüle in der Hand.
Weinend sitze ich im Aufwachraum, als sie ihn wiederbringen. Er atmet, alles sei gut verlaufen, versicherte man mir. Ich bin maßlos erleichtert. Und heute mekt man kaum noch etwas. Ein bisschen Schmerzen wohl noch, aber ansonsten quietschfidel. Echt fit und @home - und ich komme zu nix.
Außer dazu, dieses treffende Bild zur Situation zu finden:


Dienstag, 9. Oktober 2012

Willkommen im Club.

Ein Willkommens-Geschenk für eine gute Freundin und baldige Mitathletin: Das IT-Accessoire einer jeden Schwangerschaft - das trendige Bauchtuch, in meinem Atelier veredelt mit Siebdruck (bald auch erhältlich in meinem lazylucy dawanda shop: http://de.dawanda.com/shop/lazylucy.)


Training für die Lachmuskeln: Der AHA-Effekt.

Lese gerade "Leitfaden für faule Eltern" von Tom Hodginson, Rowohlt Verlag, 2011. Ich finde das Buch in Teilen mühsam, da der Autor m. Mg. nach sich zu viel auf Lockes und Rousseaus Erziehungsideale aus dem 17. bzw. 18. Jahrhundert kapriziert, aber manchmal ist es wirklich recht kurzweilig und beruhigend. Und manchmal muss ich echt lachen.
So schreibt er im Kapitel 12. Ein Nein zu Familienausflügen:
"Es kann gar keine absurdere Erfindung der modernen Industriegesellschaft geben als den Familienausflug. Die ganze Woche hat man Stress bei der Arbeit, weil man anderer Leute Vorstellung von dem, was man zu sein hat, zu entsprechen versucht. Man ist müde, schlecht gelaunt und von Schuldgefühlen geplagt, weil man die eigenen Kinder kaum gesehen hat. Es ist an der Zeit, denkt man sich, den Kindern eine Freude zu machen, etwas zusammen zu unternehmen. Ich hab's! Jagen wir dem Spaß hinterher! Packen wir alle Mann ins Auto und gesellen uns zu den anderen verzweifelten Familien im Vergnügungspark. Da können wir jede Menge Geld aus dem fenster werfen und alles wird gut.
Der Ärger fängt schon mit dem unbeschreiblichen Theater an, alle aus dem Haus zu kriegen. In Vor-Kinder-Tagen bin ich einfach aus dem Haus spaziert. Heutzutage lässt sich das nicht mehr bewerkstelligen ohne vorher eine Stunde lang zu brüllen, nach verlorenen Socken und Schuhen zu suchen, zu keuchen und zu stöhnen und zu schreien und Firma Römer mitsamt ihren grausamen Erfindungen im Dienste der Sicherheit des Kindes zu verfluchen (Diese vermaledeiten Kindersitze mögen dazu geeignet sein, das Kind in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken, aber zugleich verursachen sie erhebliche psychische Schäden beim Vater, ganz zu schweigen von den körperlichen Schmerzen bei dem Versuch, die Sicherheitsgurte einrasten zu lassen). Und dann gilt es noch diverse Spilsachen zu finden, ohne die die Kinder die Fahrt anscheinend unmöglich antreten können. Kürzlich haben wir den schrecklichen Fehler begangen, einen DVD-Spieler ins Auto einzubauen, weil wir hofften, die Kinder damit auf längeren Fahrten ruhigstellen zu können. Kann helfen, nehme ich an, aber das verfluchte Ding hat nicht ein Mal reibungslos funktioniert, und somit ist die unendliche Tortur, das Haus zu verlassen, um noch eine Aufgabe erweitert worden: das Gerät zum Laufen zu bringen. (Was gab es eigentlich  an Tagträumen und "Ich sehe was, was du nicht siehst" auszusetzen?)
Und dann geht die Hölle erst richtig los. Wir fahren Richtung Vergnügungspark. Die Kleinen streiten. "Lila hat mich geschlagen!" "Henry hat mich gebissen! Mit Absicht" "Arthur hat mir eine Kopfnuss verpasst!" Die drei sicher auf dem Rücksitz festgeschnallten Kinder fangen an, aufeinander einzuschlagen. Jedes Kind hat seine ganz eigene, einzigartig nervige Heulstimme entwickelt. Die von Delilah ähnelt einem anhaltenden Moskitosummen mit hilflosen Schluchzern zwischendurch, die sie augenscheinlich daran hindern, ihren Kummer in Worte zu fassen. Arthur heult, als würde die Welt gleich untergehen und alles ist so doll unfair und gemein. Henry gibt Geräusche von sich, auf die die Macher von der Erxorzist stolz gewesen wären, hätten sie sie in ihrem Film einsetzen können. Nun fangen Mutter und Vater an zu zetern. Mutter dreht sich nach hinten um und schreit: "Wie oft soll ich dir das noch sagen? Lass ihn in Ruhe!" Und Papa brüllt: "Genau, Arthur, noch ein Mal, und es gibt kein Eis. Ich meine es ernst."
Papa schaut angespannt in den Rückspiegel, um zu sehen, was da hinten vor sich geht. Einen kurzen Moment gratuliere ich mir dazu, nicht die Nerven verloren zu haben. Dann bricht es plötzlich aus mir heraus. Es kursieren geschichten, wie ich zum Berserker wurde, wie ich geflucht und vor Wut gegen die Windschutzscheibe geschlagen habe. Und wenn ich die Nerven verliere, nimmt Victoria das als Stichwort, ihre moralische Überlegenheit unter Beweis zu stellen und Sätze rauszuhauen wie: "Wir haben genug von dir", was mich noch mehr auf die Palme bringt, nur kann ich meine Wut nicht richtig zum Ausdruck bringen, weil alle in dieser wunderbaren Blechkiste eingesperrt sind."...
Das ist noch nicht alles zum Thema Familienausflug, den ich in dieser Form 1 zu 1 bereits mehrmal erleben durfte.
 Fortsetzung folgt.