... ist Medienliebling, Vorzeigeexemplar und probates Druckmittel in einem. Beruflich erfolgreich meint nicht die lediglich erwerbstätige Mutter (in Voll- oder Teilzeit), sondern die, die Karriere machen und dazu noch ausgesprochen gut verdienen. Natürlich gibt es sie, keine Frage, aber wahrscheinlich eher in der Minderheit. Die Mehrheit arbeitet lediglich und verdient mittelmäßiges Geld (in vielen Fällen also "etwas dazu").
Beispiel gefällig? Einer guten Bekannten, studiert, verheiratet und Mutter zweier Kinder (7 und 3) bot man nach Geburt von Kind zwei eine ernst zunehmende Abfindung, damit ihr Arbeitgeber ihre Stelle möglichst schnell mit einer "belastbaren, flexiblen und zuverlässigen" Arbeitskraft neu besetzen könne. Sie bleib drei Jahre zu Hause, mal mehr mal weniger unglücklich. Nun bekommt sie eine "Super-Chance" für den Neueinstieg: Sachbearbeiterin, 4 Tage die Woche à 6 Stunden (von 10 bis 16 Uhr) für 2000 Euro brutto. Die anfängliche Vorfreude wandelte sich durch eine einfache Rechnung in Skepsis.
Sie, schlechte Steuerklasse 5, zahlt monatlich ca. 400 Euro Steuern, bleiben noch 1600. Da es in ihrer Kleinstadt keinen Schulhort gibt, braucht sie Betreuung für Kind eins, das um eins von der Schule kommt. Sie bräuchte also an 16 Tagen im Monat einen Babysitter von kurz vor 1 bis ca. 17 Uhr, da der Weg zur Arbeit ca. eine Stunde hin und eine zurück dauert. Insgesamt also 16 mal 5 Stunden bezahlte Kinderbetreuung für Kind 1, also 80 Stunden. Findet sie einen guten Babysitter für 10 Euro die Stunde, macht das 800 Euro für den Babysitter. Kind 2 könnte länger in der Kita bleiben (bis 16 Uhr und müsste dann vom Babysitter abgeholt werden). Die durch eine Erhöhung der Kitastundenzahl anfallenden Kosten belaufen sich auf 100 Euro mehr Beitrag pro Monat + Gebühren für Mittagessen in der Kita. Eine Mahlzeit kostet 3 Euro. Macht insgesamt 148 Euro an Kitamehrkosten. Unterm Strich bleiben von den 2000 Euro brutto ca. 600 Euro übrig. Damit landet sie nach ihren eigenen Worten "knapp über Minijobniveau" und sie fragt sich, ob es das wert sei. Klar, sie will nicht überheblich klingen und sie hat zum Glück einen Mann, der gut verdient. Uns sie hasst es und schämt sich, von ihm finanziell abhängig zu sein. Natürlich möchte sie gerne ihr eigenes Geld verdienen, aber zu welchem Preis? Oder ist das Jammern auf hohem Niveau? I don't know.
Mittwoch, 10. April 2013
Donnerstag, 4. April 2013
Die Trotzphase - eine deutsche Erfindung?
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| Neeeeiiiiiiin! |
Im vorletzten Spiegel (Nr. 13/2013) gab es einen recht interessanten Artikel der amerikanischen Journalistin Pamela Druckermann, die seit vielen Jahren mit Mann und Kindern in Paris lebt und den französischen Erziehungsstil plus deren Resultate äußerst interessant und erforschenswert findet.
Ausgangspunkt war die Beobachtung, die sie während eines lang zurückliegenden Frankreichurlaubs mit französischen Kindern machte:
Druckermann:"Wir waren im Sommerurlaub in Westfrankreich, die Kleine war anderthalb. Weil wir in einem Hotel wohnten, aßen wir mittags und abends auswärts. Bald merkten wir: Es ist die Hölle. Unsere Tochter schmiss mit Sachen um sich, krabbelte aus dem Hochstuhl...
Spiegel: So ist das eben mit kleinen Kindern.
Druckermann: Das dachte ich auch. Aber es war nur mit unserem Kind so. Alle anderen Kinder, die französischen nämlich, saßen brav auf ihrem Stuhl. Sie hielten ganze Drei-Gänge-Menüs durch. Am Tisch dieser Familien herrschte ein freundlicher, entspannter Ton. Da habe ich mir gesagt: Das will ich auch. Ich will lernen, wie man seine Kinder so erzieht."
Etwas weiter: "In der Krippe sitzen Zweijährige am Tisch und essen Salat, Hauptspeise, Käse und Obst. Wie geht das? Oder die Tobsuchtsanfälle. Ich habe hier in der Öffentlichkeit nie Tobsuchtsanfälle kleinerer Kinder gesehen. Nur die meiner eigenen. Warum?"
Druckermann beschließt, dem Phänomen auf die Spur zu kommen und beginnt die Unterschiede des französischen und des amerikanischen Erziehungsstils zu untersuchen. Denn laut einer in ihrem jüngsten Buch "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind - Erziehungsgeheimnisse aus Paris" zitierten Studie empfinden amerikanische Eltern aus Ohio die Elternschaft als doppelt so anstrengend wie Mütter in Rennes, Frankreich.
Dabei kommt sie zu interessanten Ergebnissen. Französische Eltern, so Druckermann, setzen klare Grenzen, die den Rahmen abstecken, in dem dann aber Freiheiten erlaubt sind. Als Beispiele nennt sie, dass beim Essen alles probiert, aber nichts aufgegessen werden muss. Oder dass das Kind abends um acht in seinem Zimmer verschwinden muss. Ob und was es dort noch eine Weile machen darf, bestimmt es selbst. Also außen ein fester Rahmen, aber innen Freiheit.
Klingt eigentlich gut. Könnte es tatsächlich so sein, dass die hier vielzitierte Trotzphase hausgemacht ist? Eine deutsche Erfindung, die in keinem Erziehungsratgeber fehlen darf? Weil sie so viel erklärt und entschuldigt? Ein Blick ins französische Wörterbuch ist diesbezüglich recht informativ. Für das Wort "Trotzphase" gibt es keinen entsprechenden Eintrag. Im englischen übrigens auch nicht.
Donnerstag, 21. März 2013
Wutmenschlein & Terrorzwerg
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| Trotziges Kind im Vigeland Park, Oslo |
Auf der Brigitte Mom Homepage finden Ironmoms nützliche Strategien im Umgang mit wütenden Kleinstkindern, einer permanent zu absolvierenden knallharten Geduldsprobe. Siehe: Brigitte Mom: Wutanfälle und Krawall
Besonders gut hat mir der "Überraschungsangriff", die "Entwaffnung" und die "Zermürbungstaktik" gefallen. Alles Taktiken, die man selber höchstwahrscheinlich auf die eine oder andere Art und Weise im Umgang mit den eigenen Nachkommen mehr oder weniger erfolgreich angewendet hat.
Eine weitere (oft erfolgreiche) Taktik fällt mir in diesem Zusammenhang noch ein: "der Kinderflüsterer", um nervtötendem Gequengel und Geschrei bei Wutausbrüchen Paroli zu bieten. Je lauter die Kinder quengeln oder schreien, desto leiser werde ich. Ein geflüstertes, mantraartig wiederholtes "Ich bin bereit dir zuzuhören, wenn du bereit bist normal zu reden" hat schon oft Wunder gewirkt. Ich vermute, weil es zwei Fligen mit einer Klappe schlägt. Zum einen vermittelt es dem Kind, dass man eigentlich daran interessiert ist, was es zu sagen hat (wenn es das vernünftig tut). Zum anderen ermöglicht es der Mama, sich komplett herauszuhalten, wenn das Kind es nicht tut.
Freitag, 8. März 2013
Kleinkunst
Gestern stand eine eher künstlerische Disziplin im Vordergrund des zu absolvierenden Nachmittagsprogrammes. Getreu dem Picasso-Zitat "Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben."
(Pablo Picasso, 1881-1973) haben wir gemalt.
Malende Kinderhände gehört mit zum niedlichsten, was es gibt. Die Ergebnisse natürlich auch. Die habe ich in einem dicken Ordner gesammelt. ( Nicht alle, aber ganz viele.) Und der steht im Schrank, was eigentlich schade ist, weil man sie dann so selten sieht. Aber das lässt sich ja ändern. Indem der kleine Mann mit Stoffstiften auf Stoff malt. Und Papa ein neues T-Shirt bekommt.
(Pablo Picasso, 1881-1973) haben wir gemalt.
Malende Kinderhände gehört mit zum niedlichsten, was es gibt. Die Ergebnisse natürlich auch. Die habe ich in einem dicken Ordner gesammelt. ( Nicht alle, aber ganz viele.) Und der steht im Schrank, was eigentlich schade ist, weil man sie dann so selten sieht. Aber das lässt sich ja ändern. Indem der kleine Mann mit Stoffstiften auf Stoff malt. Und Papa ein neues T-Shirt bekommt.
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| Papas neues Piratenshirt... |
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| ... mit Piratenschiff, Regen, Sonne und Vögeln. |
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| Und als Rohskizze. |
Donnerstag, 7. März 2013
Live von der Trainingsfront: Athletinnen berichten...
Name:
Kerstin
Mama
von:
Sara
( 9 Monate)
Stadt:
Dortmund
Beruf:
Grundschullehrerein
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| Wenigstens sie kann schlafen. |
Wie sieht ein normaler Wochentag/dein
Alltag mit Kind aus?
Im
Moment grau und trostlos, etwas, was es irgendwie zu bewältigen gilt. Aber der
Arzt hat mir versichert, dass die Medikamente bald anschlagen würden. Seit ca.
5 Wochen wache ich jede Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen. Erst war es
so gegen 5, dann gegen 4 und jetzt meist so um kurz nach 3. Dann liege ich da,
hellwach, mein Herz rast, ich bekomme nicht gut Luft und ich habe Angst: Angst,
nicht wieder einzuschlafen, Angst, dass ich, wenn ich nicht schlafe, den Tag
nicht schaffe, Angst vor der Müdigkeit, Angst vor der Verantwortung, Angst vor
der Angst.
Wenn
Sara dann so gegen halb 7 aufwacht (sie schläft durch), bin ich bereits fix und
fertig. Mechanisch versuche ich den Tag mit Baby zu bewältigen. Ich verstand
das alles nicht, ist Sara doch ein absolutes Wunsch- und Traumkind. Irgendwann
konnte auch mein Mann mir nicht mehr helfen, schlimmer noch, mich nicht
verstehen. Verzweifelt ging ich vor einer Woche zu meiner Frauenärztin, der ich
von meinen Nöten erzählte. Sie sagte etwas von einer „Postnatalen Depression“,
die gar nicht mal so selten auftrete, und überwies mich sofort zum Neurologen.
Dort bekam ich das Gleiche gesagt und ein Medikament (Antidepressivum)
verschrieben. Das nehme ich jetzt seit 4 Tagen und wünsche mir nichts
sehnlicher, als dass es bald wirken möge. Damit diese Hölle aufhört und ich
mein Kind genießen, wieder schlafen kann und wieder Freude am Leben habe.
Was ist eine postnatale Depression?
Oh,
da weiß ich jetzt Bescheid. Anders als der sog. Baby-Blues, der bei vielen Müttern
kurz nach der Geburt auftritt und nach wenigen Tagen meist von selbst wieder
verschwindet, tritt die PND (postnatale Depression) meist später auf, bis zu 6
-11 Monaten nach der Geburt. Ca. 15 % der Mütter erwischt es. Typische Symptome sind: traurige
Verstimmung, Freud- und Interessenlosigkeit an ihrer Umgebung,
Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen und Appetitverlust.
Die fast immer auftretenden Schlafstörungen werden oft
nicht erkannt,
weil der Schlaf sowieso unterbrochen ist durch die
Versorgung des Säuglings. Selbst in Ruhephasen finden die Betroffenen aber
nicht in den Schlaf
hinein und können sich so von ihrer ohnehin sehr
anstrengenden Aufgabe
als neue Mutter nicht erholen und geraten in eine
immer tiefere Erschöpfung hinein.
Dazu kommt dann die Scham, weil es doch eigentlich
ganz anders sein sollte.
Über die Ursachen ist man sich nicht ganz einig, die
meisten Fachleute sehen es als Zusammenspiel mehrerer Faktoren: die radikale
Lebensumstellung plus Schlafmangel plus die hormonelle Umstellung und damit
verbundene biochemische Prozesse (Ausschüttung oder fehlende Ausschüttung von
Botenstoffen).
Und was kann man dagegen tun:
Mein
Neurologe hat mir Antidepressiva verschrieben, die zuallererst einmal
biochemische Prozesse wieder in normale Bahnen lenken sollen. Wenn das
geschieht (hoffentlich bald, denn sie brauchen wohl einige Tage, um
anzuschlagen), würde das Grau erst einmal verschwinden, ich würde wieder
schlafen können und diese wahnsinnige Angst würde verschwinden, sagt er. Über
eine psychotherapeutische Behandlung könne man dann nachdenken.
So
sieht er die Reihenfolge.
Ich wünsche Dir, dass das ganz bald
passiert. Was wünschst du dir am meisten?
Dass
es aufhört. Dass ich wieder ein ganz normaler Mensch werde und mein Leben mit
dem Kind genießen kann. Dass das Grau aus meinem Leben verschwindet und es hell
wird. Wieder ein eben mit Höhen und Tiefen und nicht mehr ein tiefes Tal der
Dunkelheit. Ich bin schon froh, dass ich weiß, was es ist und nicht mehr zu
allem Überfluss auch noch die Angst haben zu müssen, verrückt zu sein. Ich
wünsche mir nichts sehnlicher, als mein Kind anlachen zu können, mich an ihm,
mit ihm zu freuen. Über unser Leben als ganz normale kleine Familie. Das ist
mein größter Wunsch. Alles andere ist Nebensache.
Mittwoch, 6. März 2013
Montag, 4. März 2013
Nachtrag zu Kesselflicker in da house: Mitgemacht hat was gebracht.
Ich hab's getan! Mich einfach mal so verhalten, wie die Kinder. Nicht aus Berechnung, sondern spontan. Mit überraschendem Resultat. Aber eins nach dem anderen: Gestern nachmittag, der übliche Streit war in der Anbahnungsphase. "Gib das her! Das ist meeeeiiins!" hörte ich den kleinen Mann kreischen. Gleich darauf ein zweites Mal. "Aber ich hatte das zuerst!" - die Große, die natürlich genau weiß, wie man einen Streit anzettelt. "Mamaaaah, L. gibt mir nicht mein Auto wieder!" heulte es aus dem Wohnzimmer. Das Geheule kam näher, steht in der Tür. Ich also mit. "L., warum gibst du ihm nicht sein Auto?" "Weil J. meinen Stift weggenommen hat!" "Hab ich nicht!" "Hast du doch!". Das übliche Anschuldigungs-Ping-Pong. Auf einmal überkam es mich. Mit einer hastigen Bewegung zog ich der Großen das Haargummi aus dem Pferdeschwanz, lief ins Kinderzimmer des kleinen Herren und nahm das neben dem Bett liegende Vorlesebuch an mich. Beides trug ich unter den verdutzten Augen Kinder in mein Arbeitszimmer, begleitet von meinem lauten Wehklagen: "Das ist meins. Ich will das haben. Weil ich hatte das zuerst." Dann schrie ich die Große an: "Wieso nimmst du immer meine Sachen?" Dasselbe wiederholte ich bei dem Kleinen. Und noch lauter: "Das ist MEINS!" und knallte die Tür hinter mir zu. Ich schluchzte hinter der geschlossenen Tür, so deutlich wie ich konnte, dann war ich still. Auch die Kinder waren still. Kurze Zeit später hörte ich ein Flüstern, sie beratschlagten also, was zu tun sei. Nach einiger Zeit klopfte es zaghaft an die Tür. Ich sagte nichts. Und wieder. Dann wurde die Tür langsam geöffnet und zwei Kindergesichter schoben sich durch den Spalt. "Mama, was ist denn mit dir los?" fragte die Große. Der Kleine war schlichtweg entsetzt. "Das ist alles meins!" heulte ich, dann musste ich plötzlich über die verdatterten Gesichter lachen. Die Kinder auch. Irgendwie schienen sie erleichtert. Und haben sich tatsächlich für den Rest des Nachmittages vertragen. Ob's aber nochmal hilft, wage ich zu bezweifeln. Ist ja auch irgendwie albern.
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